Steffi goes Fiji

- Juli & August 2011 -


Die Namaka Publik School

- meine Schule -

 „Good Morning Miss Stephanie“, so werde ich jeden Morgen seit Montag nun von 35 Kindern der Klasse 3 C begrüßt. Sie sind zwischen 7 und 8 Jahre alt und sind eigentlich unter Miss Cabebulas Aufsicht.

Seit Anfang der Woche darf ich nun den Unterricht von der „anderen“ Seite, also aus Lehrersicht erleben. Wobei man dazu sagen muss, dass es etwas ganz anderes ist, wie der Unterricht den ich erleben durfte.

Aber nun von Anfang an: Am Montag hatte ich nämlich erstmal einen Termin beim Schulleiter, der mit mir dann mein „Lebenslauf“ durchgegangen ist und mich einer Klasse zugeteilt hat. Miss Cabebula hat mir dann die Schule gezeigt und  mich der Klasse vorgestellt, die zu meiner Freude von Anfang an sehr begeistert von meiner Anwesenheit war. Den ersten Tag verbrachte ich dann erst einmal mit Beobachten, denn es gab viel was ich kennen lernen musste. 

Am Montag morgen stand dann erstmals die wöchentliche Morgen-Assembly an. Alle Schüler (circa 900) versammeln sich, in Reihen nach Klassen aufgestellt und Jungen und Mädchen getrennt, im Innenhof der Schule. Die Lehrer (also ich auch ;) ) stehen auf einer Art Terrasse oberhalb. Die Art und Weise wie mit den Schülern geredet wird, erinnert stark ans Militär. Kurze und knappe Zurufe beschreiben die Art der Kommunikation am Besten. Auf ein „please“ oder eine höfliche Formulierung wartet man hier von Seitens der Lehrer vergebens. Inhaltlich geht es bei der Morgen-Assembly als erstes um organisatorische Dinge. Die Schüler müssen immer im Chor antworten und diese Antwort so oft wiederholen bis es dem sprechenden Lehrer passt. Dann wird zusammen das Vater Unser gebetet und einige Lieder gesungen (alle mit religiösen Inhalten) – der Part der Assembly war für mich der Schönste, weil irgendwie können alle Fijianer singen ;) – WUNDERSCHÖÖÖN :)

Dann tritt der Schulleiter vor und die „Gehirnwäsche“ (wie ich es nenne) beginnt. Die Schüler werden brüllender Weise an die Vision des Landes, der Schule und der Klassen erinnert. Sie müssen immer und immer wieder die Definitionen von z.B. Disziplin laut und im Chor aufsagen. Dann wird die bravste Klasse der letzten Woche, Schüler, die besondere sportliche Leistungen erbracht haben oder Schüler, die besonders gute Noten geschrieben haben ausgerufen. Diese Schüler müssen vortreten und werden als eine Art „Vorbild“ angepriesen. Die ganze Schule muss applaudieren und sie bekommen teilweise sogar Geschenke. Danach ist der „Gegenpol“ an der Reihe, dass heißt die „schlimmste Klasse“, der „schlimmste Schüler „ oder die Schüler mit den meisten Fehlstunden müssen vortreten und bekommen vor der versammelten Schüler- und Lehrerschaft eine Moralpredigt. Der Schulleiter stellt Fragen wie „Wollt ihr eure Eltern nicht stolze machen?“ oder „Ihr seid der Schandfleck der Schule, wollt ihr das ändern?“....richtig hefitg ... Außerdem sind alle seine Ansprachen sehr religiös, aber für meinen Geschmack sogar schon fanatisch. Er droht mit der Strafe Gottes, wenn sie ihr Leben nicht ändern. Ich persönlich, empfand ihn als cholerisch, fanatisch und übertrieben autoritär. Dazu muss ich sagen, dass ist „nur“ den Schülern gegenüber. Ich wurde von ihm mit offenen Armen und sehr herzlich empfangen, deswegen war ich in der Assembly sehr geschockt von seinem Auftreten.

Danach gings ab in die Klassenzimmer und ein ganz normaler Schulalltag begann. So einen möchte ich euch kurz schildern, so dass ihr grob wisst was ich so treibt ;) 

Die Schüler können ab 7 Uhr kommen und müssen spätestens um 8 Uhr da sein (sowie ich). Jedoch gilt umso früher umso besser. Diese Zeit nennt sich „reading-time“ und in der Zeit sollen die Schüler ohne die Aufsicht eines Lehrers in ihren Klassenzimmern sitzen und lesen – eine Traumvorstellung, die meiner Erfahrung in dieser Woche nach eh nicht funktioniert. Außerdem ist meine Schüler-Sein-Zeit noch nicht lange her und ich hätte das auch nie von alleine gemacht :D
Um 8.30 beginnt dann der Unterricht mit einem Gebet und circa 2 Liedern (mein Lieblingslied heißt „I love the Ocean ...lalalala ;) sooo toll :) - ich sings euch vor, wenn ich daheim bin :P ). Danach haben sie Mathe, dann Englisch, dann Pause und dann wieder Englisch (Composition). Dann folgt die Mittagspause und danach haben sie Fijianisch und dann Sience. Im Ablauf ist jeder Tag gleich und auch die Lehrerin bleibt immer die Gleiche. Außer die Fiji-Stunde ist alles auf englisch.

Soviel zu den trockenen Fakten ;)

Zur Art der Unterrichts kann man nur sagen, dass es seeehr unorganisiert und chaotisch ist. Würde man es ein bisschen durchstrukturieren könnte man doppelt so viel in dieser Zeit schaffen – aber ihr wisst ja „Fiji-Time“ :P

Am Montag war meine Aufgabe meist nur Hefte, Hausaufgaben und Tests zu korrigieren und den Kinder bei „Stillarbeit“ (die den Name „Stillarbeit“ nicht verdient hat – denn nach 7 Stunden in der Schule tun mir echt immer die Ohren weh ;) ) zu helfen. Aber schon am Dienstag kam Miss Cabebula zu mir und meinte, dass sie einen Termin beim Schulleiter hat und für eine halbe Stunde weg muss. Jipiiie – Steffi und 35 Kids mit viel zu viel Temperament und Energie allein in einem Raum – viel Spaß :D 
Aber hey, es war gar nicht so schlimm, wie ich erwartet habe – es hat echt Spaß gemacht, aber ich war klatsch nass geschwitzt danach – und es lag nicht an den 30° Außentemperatur :P Also Respekt an alle Lehrer – falls das hier einer liest :) Ich hätte nie gedacht, dass Kinder-Gequake so anstrengend ist. Mit dem Englisch klappts eigentlich besser als jemals erwartet, zumindest versteh ich alles und die verstehen mich - oder tun zumindest so ;)
Am Mittwoch habe ich dann eine Sience Stunde über Kaulquappen gehalten ;) Als Hausaufgabe habe ich dann aufgegeben, dass sie welche sammeln und am Donnerstag mitbringen müssen. Was zu Miss Cabebulas Erstaunen auch die meisten machten :) :) :) - sie meinte ich sei ein sehr motivierender Teacher :D
Aber ich hatte echt kurz Angst, dass mich einfach keiner Ernst nimmt aber die finden das junge weiße Mädel aus dem fernen Land (viele der Schüler kannten Deutschland gar nicht) wohl faszinierend genug :P Am Freitag habe ich zum Beispiel 2 Stunden Mathe unterrichtet. Dank der Vorbereitung aufs Mathe-Abi war der Stoff auch gerade noch machbar für mich :P Multiplizieren mit 7 stand auf dem Stundenplan und danach noch Geometrie, so nach dem Motto „Was ist ein Kreis“, „Was ist ein Rechteck“  - sehr witzig :D ...ich glaube, so mancher meiner ehemaliger Mathelehrer wäre stolz auf mich :D

So viel zum positiven Teil des Schulalltags :( Es gibt da nämlich eine Sache, die mich ehrlich gesagt ziemlich stark belastet und zwar ist trotz dem neueingeführten gesetzlichen Verbot Schüler zu schlagen, die Prügelstrafe üblich!
Wessen Heft ein Eselsohr hat, wer seine Hausaufgaben nicht hat, wer im Klassenzimmer Ball gespielt hat oder wer gesungen hat obwohl er es gerade nicht hätte tun dürfen, bekommt entweder mit dem Buch eine „übergezogen“, mit der Hand einen Klaps, wird ins Ohr gezwickt oder bekommt mit dem Holzstock auf die Finger....Dabei handelt es sich um keine Seltenheit, im Schnitt (wenn man das so sagen kann) schlägt Miss Cabebula am Tag gut 10 Mal zu. Einige Kinder beginnen natürlich zu weinen – was eiskalt ignoriert wird.

Wie ich von anderen Volunteers weiß, ist es eigentlich bei allen genau das Selbe. Ich habe lange überlegt ob ich Miss Cabebula darauf ansprechen soll und habe es letztendlich getan. Ihr Antwort war (mit einem Lächeln auf den Lippen), dass nur die Kinder geschlagen werden, die dass auch wirklich „brauchen“.

.. ich denke, wir denken bei dieser Antwort das Gleiche ... ich war ehrlich gesagt einfach nur sprachlos.... 

Der Umgang mit den Kindern ist generell sehr krass. Sie werden nicht so wertgeschätzt und respektiert und geachtet, wie ich es selbst erfahren durfte. Das ist für mich eigentlich so das Schwerste mit dem Ich umgehen muss...wir werden sehen, wie ich damit klarkomme.
Mich motivieren und freuen einfach immer die strahlenden Augen der Kinder, wenn ich den Klassenraum betrete. Wenn ich in der Pause mit ihnen spiele. Wenn sie mir Ihre Karten-Zaubertricks zeigen dürfen und und und :)
Trotz allem sind sie sehr fröhliche und dankbare Kinder und vielleicht komme ich ja im Laufe der noch verbleibenden 7 Wochen meiner Entscheidung näher ob Lehramt das Richtige für mich ist ?!

Alles in Allem macht mir meine Arbeit total Spaß (außer dieser negative Faktor) und zu mir sind auch alle Lehrkörper freundlich, offen und hilfsbereit. Im Vergleich zu andern Volunteers werde ich auch schon relativ viel alleine gelassen und darf viel selbstständig unterrichten. Seit heute habe ich in der Mittagspause eine Englischförderklasse (Kinder die Probleme mit Englisch haben – lesen & schreiben). Es sind 5 Schüler und es macht total Spaß, ich kann eigene Übungen einbringen und habe das Gefühl etwas Sinnvolles zu tun :)

So nun habt ihr einen kleinen Einblick in meine Arbeitswelt und ich hoffe ihr könnt euch nun besser vorstellen, was ich den ganzen Tag so treibe. :)

Unser Klassenzimmer:

In der Pause:

Beim Kaulquappen beobachten:

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